Die Frucht vom Baum der Erkenntnis – Der Teufelspakt als einsamer Aufbruch in ein neues Zeitalter

Vortrag im Faust-Archiv über den Teufelspakt in der Literatur und
im Roman „Septem Scalae“ von
Dr. Heiko Ullrich, Literaturwissenschaftler und Romanautor
Sonntag, 10. März 2019 um 16 Uhr im Faust-Archiv

Cruikshank

Cruikshank

Seit über einem halben Jahrtausend fasziniert die Geschichte vom Knittlinger Gelehrten und seinem Pakt mit dem Bösen die Schriftsteller. Dabei ist der Handel Fausts mit seinem teuflischen Geschäftspartner einem ständigen inhaltlichen Wandel unterworfen: Während Goethe die Hauptperson seines Dramas Faust. Der Tragödie erster Teil (1808) noch ganz klassisch Seele und Seligkeit für ein glückliches und zufriedenes Leben opfern lässt, tauscht der Titelheld in Adelbert von Chamissos Novelle Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814) seinen Schatten gegen ein Glückssäckel. Adrian Leverkühn, der Protagonist von Thomas Manns Roman Doktor Faustus (1947), verzichtet wiederum auf seine Liebesfähigkeit, um musikalisches Genie zu erlangen, und James Krüss inszeniert in Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen (1962) einen Pakt, infolge dessen die Hauptfigur jede Wette gewinnt, aber das Lachen verlernt.

An dieses vielfach abgewandelte Bild vom Teufelsbündner, der jedoch stets ein aus der Gesellschaft Verstoßener und ein seiner Zeit weit Vorauseilender bleibt, knüpft der Roman Septem Scalae an. Ähnlich wie sein historischer Namenspatron, der Finder des Unterkiefers von Mauer, ist aber auch der Protagonist des Romans, Daniel Hartmann, selbst kein Wissenschaftler, sondern ein tief religiöser Mensch. Der Abschluss des Teufelspaktes, konfrontiert Hartmann jedoch nach und nach mit zeitgenössischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, die sein biblischen Vorstellungen verpflichtetes Weltbild erschüttern.

Der Vortrag des Romanautoren und Literaturwissenschaftlers, Dr. Heiko Ullrich, zeigt einerseits, wie die vielfältige Rezeption des Fauststoffes in der Literatur die Entstehung der Romans Septem Scalae und seiner spezifischen Deutung der Faustfigur zu einem neuen, eigenständigen Werkinspiriert hat. Die Lesung einiger gerade für die Spuren des Fauststoffes relevanter Stellen aus Septem Scalae soll dabei einen Eindruck von der praktischen Umsetzung dieser Techniken vermitteln.

Heiko Ullrich, 1983 in Heidelberg geboren, arbeitet seit 2010 als Gymnasiallehrer in Bruchsal. Der Promotion und zahlreichen Veröffentlichungen zur Literaturwissenschaft und -didaktik folgte 2018 der erste Roman Septem Scalae.

Eintritt frei!

Infos unter Tel.: 07043/951610 und 9506922 sowie unter faustmuseum@knittlingen.de