MAGIE.TAGE 2017

Lebende Tote.
Kulturgeschichtliche Aspekte des Vampirglaubens

Vortrag Prof. Dr. Claus Priesner (Universität München)

Samstag, 17. Juni, 11.45 Uhr
Vortragssaal, Faust-Archiv

Der Vortrag beleuchtet zunächst die Idee der Spiegelung der himmlischen Welt in der irdischen, wie sie in der Mikrokosmos-Makrokosmos-Parallele zum Ausdruck kommt. Auch das Reich der Toten ist eine Spiegelung des Reiches der Lebenden. Im traditionellen Bild des Vampirs ist der Topos des temporären Todes enthalten, der in Bezug zu antik-heidnischen und christlichen Auferstehungsvorstellungen gesetzt wird. Maßgeblich ist ferner die Idee eines Zwischenreichs zwischen dem Himmel als Hypostase des absolut Fernen und der realen Welt als Verkörperung des absolut Nahen. Die Eigenschaften von Vampiren werden beschrieben, ebenso die von ihnen ausgehenden Gefahren, die durch mannigfache christlich-heidnische Abwehrrituale bekämpft wurden. Von großer Bedeutung für die Verwandlung eines Toten in einen Vampir war die volksmagische Konzeption des ‚Schlechten Todes‘, der den Zugang zum Himmelreich verbaute. Gedanken zur Entstehung des literarischen Vampirmythos im 19. Jahrhundert schließen den Vortrag ab.